Die Darmflora ändert sich mit der Saison

Dass sich die Ernährung eines afrikanischen Jäger- und Sammlervolks mit der Saison stark verändert, lässt sich an ihrer Darmflora ablesen. In ihrem Darm leben laut Forschern zudem mehr und andere Bakterien als in jenem von Menschen aus „modernen“ Gesellschaften. Die Hadza leben in Tansania. Sie zählen zu den letzten Jäger- und Sammlergesellschaften auf der Erde. Etwa 200 Menschen leben nach dieser traditionellen Art. Da diese Kultur auch keine Vorratswirtschaft betreibt, werden saisonale Nahrungsmittel verzehrt. In der Regenzeit essen die Hadza mehr Früchte und Honig, in der Trockenzeit mehr Fleisch. Früchte vom Affenbrotbaum und Knollengemüse werden das ganze Jahr über konsumiert. Nicht nur die Ernährung, auch die Darmbakterien verändern sich zyklisch und passen sich an die jeweilige Regen- und Trockenzeit an. Das zeigen die Analysen der Forscher um Justin Sonnenburg von der Stanford University. Ein Jahr lang hat der Mikrobiologe und Immunologe gemeinsam mit seinem Team 350 Stuhlproben von 188 Individuen gesammelt. Laut Sonnenburg sind die Ergebnisse außergewöhnlich: „Die Studie gibt Aufschluss über die mikrobielle Zusammensetzung der Darmflora unserer Vorfahren. Es ist so, als ob wir in einer Zeitmaschine zurückreisen würden.“

Biodiversität im Darm

Von manchen Bakterienstämmen verschwinden bis zu 70 Prozent gegen Ende der Trockenzeit bzw. zu Beginn der feuchten Periode. Später kehren sie wieder zurück. Der Schlüssel für diese unterschiedliche Zusammensetzung liegt offenbar in der Ernährung. Danach verglichen die Forscher die Darmflora mit dem Mikrobiom von Menschen aus 16 anderen Ländern. Es zeigte sich, dass der Darm in industrialisierten Ländern ganz anders besiedelt ist. Die Darmflora der westlichen Menschen ist zudem weniger vielfältig. Letztere sind auch nicht vom saisonalen Nahrungsangebot abhängig. Daher bleibt das mikrobielle Ökosystem im Darm - über das Jahr gesehen - gleich.

Schutz vor Krankheiten

Die bakterielle Vielfalt könnte die Hadza gegen Krankheiten schützen, schreibt Shyamal Peddada vom National Institute of Environmental Health Sciences in Durham in einem Begleitkommentar. Immerhin leben die Jäger und Sammler ein relativ langes und gesundes Leben, ganz ohne moderne medizinische Versorgung. Im Vergleich zu US-Bürgern beherbergt der Darm der Hadza z.B. viel mehr Bakterien, die Kohlenhydrate verdauen. Das könnte daran liegen, dass sie viel mehr davon konsumieren als „moderne“ Menschen. Außerdem fanden die Forscher in den Darmbakterien der US-Bürger deutlich mehr antibiotikaresistente Gene als in jenem der Jäger und Sammler.

QUELLE: http://science.orf.at/stories/2862365/

 

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